TCM-UNIVERSITÄT CHENGDU

Reisedatum: 02. - 17. September 2011

Ort: Chengdu, Provinz Sichuan, VR China

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Reise- und Aufenthaltsbericht:

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Samstag, 03.09.2011
angekommen nach 15 Stunden Reisezeit.

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Der erste Einblick in die Sichuan-Küche wurde uns als Einladung in ein dem Hotel benachbartes Restaurant von unserer Betreuerin und Dolmetscherin Flora der TCM-Universität gewährt: Angeblich die niedrigste der "Schärfestufen": Puhh...wir sind gespannt! Am Montag beginnt unser Klinikpraktikum mit Begrüßung und Unterricht.

Montag 05.09.2011

Nachdem wir den kurzen, aber für uns aufregenden Fußmarsch überlebt hatten (!), ging es auf zur Begrüßung in die TCM-Universität. Nach dem Erhalt der Kittel besichtigten wir kurz die ambulante Patientenaufnahme der Klinik (hier werden bis zu 5000 Patienten am Tag behandelt), sowie die TCM-Arzneimittelapotheke und wurden dann gleich zur Schlaganfallstation begleitet, wo unsere erste Patientenfallstudie mit Dr. Li Ji stattfand. Am Patientenbett wurde Anamnese, Untersuchung und Behandlung ganz ausführlich besprochen und durchgeführt. Nach der Nadelung diskutierten wir mit dem behandelten Arzt ausführlich die Situation des Patienten nach vollständigen TCM-Kriterien.


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Am Nachmittag durften wir die weltbekannte Prof. Hu kennenlernen, die große Protagonistin der JiaJi-Technik. Nach genauester Fallaufnahme wurde von ihr behandelt, sowie die Maßnahmen ausführlichst besprochen.

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Dienstag, 06.09.2011

Der Dienstag steht ganz im Zeichen der Vorlesungen: Vormittags: Ancient Needling methods (Part A) und am Nachmittag: Akupunktur für Hautprobleme. Hier hängt alles an den Dolmetschern, die ins Englische übersetzen.

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Mittwoch, 07.09.2011

Nach dem Besuch des Chengdu-Maskottchens, dem Panda-Bären, wurde es wieder ernst: Auf dem Programm standen Fallstudien von der Befunderhebung bis zur Behandlung. Diagnostiziert und behandelt wurden u.a. (Für die Spezialisten unter den Lesern) eine Patientin mit Yin und Yang-Mangel + Nässe durch Milz- und Nieren Qi-Mangel; als weiterer Fall eine Patientin mit Yang-Mangel und Xue-Stase. Gerade die Behandlungen sind außerordenlich segensreich, würden aber dem westlichen Patienten viel, viel Vertrauen vom Therapeuten abverlangen... Wir werden sehen...

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Donnerstag, 08.09.2011

Praxisunterricht mit zahlreichen Fällen in der Abteilung für ambulante Patienten (Latent Disease Center) am Vormittag.
Nachmittags Vorlesung von Prof. Wu Jie zum Thema "Akupunktur bei Infertilität (Unfruchtbarkeit).
Durch die Geschwindigkeit der chin. Kollegen kommt viel, viel Stoff zusammen, ich bin in der "Freizeit" sehr mit dem Sortieren und Nacherfassen beschäftigt... Wie sagte ein Patient zu mir: "Bringen's viel Neues mit..."

Freitag, 09.09.2011

Fallstudien auf der Schlaganfallstation mit Schwerpunkt Pulsdiagnose. Dr. Hu Ka-Ming, der schon öfters in Deutschland Vorlesungen hielt, ist ein herrvorragender Lehrer. An Patienten, die so natürlich nicht den Weg in unsere Praxen finden, lernen wir viel. Was völlig erstaunlich ist: Die Begleitbehandlung mit TCM verbessert die Prognosen der Apoplex-Patienten teilweise um ein Vielfaches. Schade, dass im Westen diese Behandlungsmethoden noch nicht eingebunden werden. Es ist sogar oftmals so, dass während der Behandlung der Patient seine (teil-) gelähmten Extremitäten besser oder wieder etwas bewegen kann. (Videos finden Sie bei "Youtube" unter "Scalp Acupunkture").

Am Nachmittag Vorlesung "New Balance Acupuncture, Teil1". Hierbei wurde viel Praxis von Prof. Zhang Fen Sheng eingebunden, so kam es, dass die Hälfte von uns "genadelt" und behandelt wurde.


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Sa, 10.09.2011

Power-Sightseeing: Statt wie üblich mindestens 1 Tag für eine Klasse-AAAAA Sehenswürdigkeit und Weltkulturerbe-Bestand zu haben, durfen wir heute 2 imposante Orte an einem Tag besichtigen: Das Du Jiang Yan Entwässerungssystem sowie den Qing Cheng Mountain - hier befindet sich der Geburtsort des Taoismus. Damit Wünsche in Erfüllung gehen, kann man hier Kerzen und Räucherstäbe entzünden und an der höchsten Pagode Wunschbänder am Treppengeländer anbringen.


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Sonntag, 11.09.2011

Der Sonntag ist in China, anders als bei uns, nicht wirklich arbeitsfrei. Die meisten Geschäfte haben geöffnet, lediglich offizielle Ämter haben geschlossen. Auch auf den Baustellen wird gewerkelt. Wir haben aber Gelegenheit, unser neu gewonnenes Wissen aufzuarbeiten oder durch kulturelle Eindrücke zu ergänzen.

Dienstag. 13.09.2011

Nachdem gestern der Unterricht aufgrund des in ganz Asien gefeierten Mid-Autumn-Festivals ausfiel, geht es heute Vormittag mit dem Teil 2 der Vorlesung über "Ancient Needling Methods" weiter. Nachmittags Fallstudien in der Ambulanz Frau Prof. Hu. Mit großer Sorgfalt und Geduld erklärte sie uns den Fall eines 45-jährigen Patienten mit Kleinhirnatrophie, der zunehmend unter Koordinations- und Sprachstörungen leidet. Anamnese, Inspektion, Palpation, Musterbestimmung und anschliessende Behandlung wie aus dem Lehrbuch. Anschliessend gab Sie uns noch eine Zusammenfassung ihrer Behandlungsstrategien bei Migräne.

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Mittwoch, 14.09.2011

Ein sehr anstrengender Praxistag auf der Station von Dr. Hu Ka-Ming (Schlaganfallstation) und seinem Arzt Dr. Li Ji liegt hinter uns. Die Qualität der Fallbesprechungen ist sehr, sehr gut. Wir machen wie gewohnt genaueste Anamnese und Untersuchung und erarbeiten die Therapie Schritt für Schritt. Auch das "Warum" wird erörtert. Kurze "Black-Outs" werden mit Totalverlust des "roten Fadens" bestraft - aber Nachfragen sind gestattet. Interessantester Patient war heute Morgen ein 55 Jahre alter Mann, der einen Starkstromunfall erlitt. Als Folge Verschlechterung seiner vorhandenen cervikalen Spondylosis und OP. Bislang bleibende Traumafolgen: Tinnitus, Rechtsseitenkopfschmerz, rechtsseitige Muskelschwäche der Extremitäten und Taubheitsgefühl der linken Hüftregion. Leider ist er auch sehr schmerzempfindlich, weshalb Akupunktur nicht in Frage kommt. Behandlung somit mit Ohrsamen, Moxa, Kräutertherapie, Physio und Ergotherapie. Bereits deutliche Verbesserung, langfristige Prognose: 1 Jahr bis zur Genesung. In solchen Fällen (wie auch anderen Schlaganfällen) wird in China der Patient zuerst in einem "westlichen" Krankenhaus akutbehandelt und kommt nach kurzer Zeit zur Weiterbehandlung in die TCM-Klinik. Die konsequente Behandlung nach den Mustern der TCM ermöglicht überragende Erfolge.

Donnerstag, 15.09.2011

Vorgewarnt von der anderen Gruppe kamen wir im Acupuncture Dept. an. Im Behandlungszimmer von Frau Dr. Li Chong Xin drängten sich hier in Folge auf 12m² bis zu 21 Menschen. Von "Clinical Practice", wie im Stundenplan ausgewiesen, konnte man wahrlich nicht sprechen, obwohl sich unsere Übersetzerin viel Mühe gab und wir auch Diagnosestellung üben sollten. Es war mehr Lernen durch Beobachten. Behandelt wurden an diesem Tag vor allem Patienten mit Lähmungen (z.B. Gesicht (Facialisparese) oder HWS/LWS-Probleme). Zum Einsatz kam auch die elektrische Nadelstimulation. Am Nachmittag Exkursion zum Heilkräutermarkt. Beeindruckend sind die Dimensionen, das hätten wir so nicht erwartet. In modernestem Gebäudekomplex reiht sich Laden an Laden, wahrscheinlich viele Hunderte. Hier gibt es alle chinesischen Heilkräuter. Der Leiter der Kräuterabteilung der Uni erklärt uns soviel wie möglich. Beeindruckend der Heilpilz Dong Chong Xia Cao, bei uns bekannt als Cordyceps (Link): Die teuerste Sortierung kostet 39.000 (!) € das Kilo! Handgelesen!

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Freitag, 16.09.2011

Der letzte Tag unseres Aufenthalts. Uns erwartet ein strammes Programm: Vormittags "Case Study" auf der Station: Frau Dr. He Ling Na stellt uns zwei "Fälle" vor, darunter eine ältere Patientin mit Tinnitus. Sie erläutert ihr grundsätzliches Vorgehen und gibt uns ihr "Rezept" in drei Stufen für eine erfolgreiche Behandlung. Nachmittags zweiter Teil der Vorlesung "Chinese Balance Acupuncture". Direkt im Abschluß findet die Closing Ceremony statt: Zur Freude der Anwesenden haben wir ein bekanntes chinesisches Volkslied einstudiert, welches unser Übersetzer Erik mit uns vorträgt. Nach der Verabschiedung gibt es Abendessen mit den Organisatoren und Verantwortlichen der TCM-Universität. Eines bleibt festzustellen: Wir haben viel gelernt und gesehen; die Theorie mag man ja in Deutschland erlernen können - die Praxis in China zu erleben, ist aber unersetzbar. Wir alle haben profitiert und werden versuchen das Gelernte umzusetzen und an deutsche Verhältnisse anzupassen, um unseren Patienten jetzt noch besser helfen zu können! Vielen Dank an alle, die uns vor und während der Reise unterstützt haben, allen voran unserer Kollegin Birgit Ziegler!

ACHTUNG: Die Nadelanzahl auf den Bildern wird bei Europäern nach unten hin geändert, da wir empfindlicher sind!

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