Sie müssen entgiften...

Diese drei "bedeutungsschwangeren" Worte hat schon so mancher leidgeplagte Patient in letzter Instanz von seinem naturheilkundlich orientierten Arzt oder von seinem Heilpraktiker gehört.

1.Was hat es damit auf sich?

Jedes Lebewesen nimmt Substanzen zu sich, um aus diesen den „Brennstoff“ für den eigenen Körper herzustellen. Dies geschieht im sogenannten „Zitronensäurezyklus“. Das Endprodukt ATP (Adenosin-Tri-Phosphat) wird in den Muskeln benötigt um diese „anzutreiben“.
Wo etwas verbrannt wird, entsteht außer Energie leider auch ein Verbrennungsendprodukt welches entsorgt werden muß. So entsteht aus dem aufgenommenen Sauerstoff u.a. Kohlendioxid, der abgeatmet wird. Aufgenommene Nahrung wird aufgespalten und die Endprodukte in Form von Harn und Stuhl ausgeschieden.

Solange der Körper genug reine Substanzen zur Verfügung hat mit denen er sich versorgt, klappt es in der Regel auch mit der Entsorgung. Leider finden sich in unserer Nahrungskette zunehmend auch nicht sichtbare Substanzen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben (siehe unten). Diese stellen eine Belastung für das Ausscheidungssystem dar.

Solange die „Biochemie der Entgiftung“ funktioniert, klappt es meist doch noch; nehmen aber die „Giftstoffe" überhand, deponiert der Körper diese Stoffe im Mesenchym um sie zu anderer Zeit, wenn mehr Kapazitäten vorhanden sind, auszuscheiden. Wird die Aufnahmen weiterhin fortgesetzt, gelingt dies nicht mehr und es sammelt sich immer mehr im Speicher (Bindegewebe, s.u.) an.

Link: Entgiftungsschema und Enzyme

Quelle: Labor MTM: www.microtrace.de

Die Toxine stammen aus:

Toxine aus chemischer Landwirtschaft: Züchtung und Düngung sowie ausgelaugte Böden vermindern die Vitamin- und Mineralstoffgehalte. Zusätzlich müssen die Schadstoffe auch noch im Körper verarbeitet werden, was zusätzlich wichtige Nährstoffe verbraucht

Toxische Benzindämpfe, Benzol: Folgen sind Schleimhautreizungen, Leber- und Nierenschäden, Blutbildveränderungen, ja sogar Leukämie und Erbschäden. Benzol durchdringt Lebensmittelverpackungen. Folglich soll man nie Lebensmittel an einer Tankstelle verkaufen und dort schon gar nicht dort kaufen!

Dioxine und Furane: Dioxine und Furane entstehen durch das Verbrennen von Kunststoffen und lagern sich dann im Fett- und Nervengewebe ab, v.a. in der Muttermilch.

Formaldehyd: in Spanplatten, in neuer Kleidung, Putzmitteln, Lacken, Kleber, Lösungsmitteln, Filzstiften, Plüschtieren. Folgen: Augenbrennen, Atemwegreizungen, Schwächung des Organismus und Anfälligkeit auf Allergien bzw. auf Drittsubstanzen. Infektanfälligkeit, Nervenschädigungen mit Folgen von Konzentrationsstörung, Schlafstörungen, Schwindel, Kopfweh

Lösungsmittel mit Phenol: in Farben, Lacken, Lösungsmitteln, Klebstoffen, Reinigungsmitteln, Abbeizen. Wirkungen wie Benzol: Schleimhautreizungen, Leber- und Nierenschäden, Blutbildveränderungen, Leukämie und Erbschäden

Metallvergiftungen: sind im Urin nachweisbar, z.B. Amalgambestandteile: Quecksilber, Silber, Kupfer, Zinn

Toxinbelastung und ihre Folgen

Kunststoffe:

Aus Bisphenol A enthaltenden Kunststoffen, insbesondere aus Polycarbonat, werden zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit direktem Kontakt zu Lebensmitteln und Getränken hergestellt.

Aus Epoxidharzen werden Beschichtungen für metallische Behälter ebenfalls für Lebensmittel wie Konservendosen und für Getränkebehälter und Wasserkocher hergestellt. Außerdem verwendet man Epoxidharze für Lacke, Farben, Klebstoffe und Innenbeschichtungen zur Sanierung von Trink- und Abwasserbehältern und -rohren.

Das ist von gesundheitlicher Relevanz, da zwar die polymeren Endprodukte selbst biologisch weitgehend inert sind, aus ihnen allerdings der Ausgangsstoff BPA unter Umständen wieder freigesetzt wird und dann gesundheitliche Schäden verursachen kann. Wärme bzw. Aufheizen, Säuren und Laugen begünstigen das Freisetzen von BPA aus dem Polymer. Kochendes Wasser beschleunigt die Rate auf das 55-fache. Auch einige Arten von Thermopapier enthalten BPA in der Beschichtung, wodurch es in den Papierkreislauf gelangt. Über dieses Thermopapier gelangt der Stoff auch direkt über die Haut ins Blut. Eine deutlich erhöhte Belastung von Kassiererinnen in Supermärkten wurde nachgewiesen.

Amalgam:

Alle Amalgamsorten, ob Non-Gamma-2-Amalgam, Kupfer- oder Silberamalgam, enthalten etwa 50% flüssiges Quecksilber, etwa 14% Zinn, etwa 12% Kupfer, etwa 20% Silber sowie Blei, Nickel und Cadmium in kleinen Mengen. 0,8g reines Quecksilber in die Blutbahn gespritzt sind für die meisten Menschen tödlich. Der Durchschnittsbürger hat etwa 6 Amalgamplomben mit je 0,2-0,4g Quecksilber in den Zähnen, das entspricht einer Menge von 1,2-3g. Quecksilber. Nur ist dieses Quecksilber chemisch gebunden. Durch Korrosion wird die geschliffene Oberfläche bald aufgebraucht, insbesondere, wenn sich noch andere Metalle wie Gold- oder Edelstahlverbindungen (Klammer) im Mund befinden. Der saure Speichel wirkt wie ein Elektrolyt, und das minderwertige Metall, meist Amalgam, löst sich langsam auf. 50% werden ausgeschieden, der Rest lagert sich im Körper ein, hauptsächlich in Gehirn, Leber und Nieren. Solange Quecksilber, das übelste aller Zahnmetalle, metallisch gebunden bleibt, ist es ungefährlich, gelöst oxidiert es im Blut und gelangt in alle Winkel des Körpers. Quecksilberionen können in jede Zelle gelangen, zerstören sie oder bringen sie zum Entarten.

Also bedeutet, eine lange Quecksilbervergiftung eine Immunschwäche, was sich von der Symptomatik nicht nur auf der Immunebene abspielt, wie man heute weiß.

Naturheilkundlich arbeitende Zahnärzte, viele Heilpraktiker und auch manche Universitätsprofessoren finden immer häufiger Zusammenhänge zwischen Amalgambelastungen und chronischen Erkrankungen.

Toxine sind auf jeden Fall auch wenn nicht für sich alleine ursächlich, so doch ein wesentlicher Faktor, der "das Fass zum überlaufen" bringen kann.

Deshalb zählen alle Entgiftungs- und Ausleitungstherapien zu den Methoden der Zukunft, hier ist die Chelattherapie mit Bindung und Ausleitung der versteckten Schwermetalle aus den Organen und Geweben von enormer Wichtigkeit. 

2. Wie funktioniert Entgiftung

Ablauf der Entgiftung

Zur Entgiftung bedient sich der Körper bestimmter Enzymsysteme, die in unterschiedlicher Konzentration in den meisten Zellen nachweisbar sind. Organe wie Leberoder Niere, die besonders in den Entgiftungsvorgang einbezogen sind, haben dabei die höchste Enzymdichte. Stoffe die eigentlich nicht wasserlöslich sind, werden mit Hilfe einiger dieser Enzyme (z.B. Cytochrom oder Glutathion) durch Einführung chemisch funktionaler Gruppen und Anschließender Kopplung an Hilfsmoleküle nierenfähig.

Der Detoxifikationsprozess läuft in zwei Phasen ab:

Phase I Entgiftungsenzyme

Enzyme dieser Phase sind in den Membranen des endoplasmatischen Retikulums verankert und sind in der Natur allgegenwärtig. Wir bezeichnen die Gene, die diesen Enzymen zugrunde liegen, als Cytochrom-P450-Gene, kurz CYP. Insgesamt sind beim Menschen derzeit 39 CYP-Enzyme bekannt. Die Leber hat den höchsten CYP Enzymgehalt. Arzneistoffe werden zu 65% durch P450-Enzyme der Genfamilie 1,2 oder 3 verstoffwechselt. Bei Patienten mit unerwünschten Arzneimittelreaktionen ist es empfehlenswert, mittels Gentest die Funktionalität dieser Enzyme zu testen.

In dieser ersten Phase werden toxische Substanzen mittels verschiedener Cytochrom P450-Enzyme reduziert, hydrolysiert und oxidiert. Die Produkte der Phase I sind zumeist kurzfristig sogar aggressiver als das primäre Toxin, so dass die schnelle Entgiftung in der Phase II absolut notwendig ist.

Phase II Entgiftungsenzyme

In der zweiten Phase werden dann polare wasserliebende Moleküle wie Glutathion, Acetat, Cystein, Sulfat, Glycin oder Glucuronat an die Metaboliten der Phase I angelagert (=Konjugationsreaktion).
Erst jetzt stehen diese in wasserlöslicher Form für die biliäre (=über Gallenflüssigkeit) bzw. renale (über die Niere) Ausscheidung zur Verfügung.
Wichtige Phase-II-Enzyme sind: Glutathion-S-Transferasen (GST), N-Acetyltransferasen (NAT) und Glucuronyltransferasen.
Verminderter Phase I-Stoffwechsel führt zu verringerter Entgiftung der Ausgangsprodukte. Eine reduzierte Phase II-Entgiftung hat hingegen die Anreicherung radikaler oder toxischer Intermediärprodukte zur Folge.

Was tun?

Am Anfang sollten drei verschiedene Stufen eingesetzt werden:
1. Zufuhr der zur Detoxifikation nötigen Aminosäuren (körpereigene Glutathionsynthese)
2. Unterstützung der Ausscheidung
3. Zufuhr und Ergänzung der nötigen Mineralien, Spurenelemente, Vitamine

Sollte die orale Entgiftung nicht ausreichend greifen, wird in der Regel der intravenöse Einsatz der Chelat-Therapie diskutiert werden. Die Entgiftung sollte auch meßtechnisch überwacht werden, denn dann haben Patient und Behandler Kontrolle über die Wirksamkeit der Maßnahmen. Hier bieten sich Laborkontrollen und/oder die Global Diagnostics-Messung an.

 

Gekürzte Fassung vom 09.06.2018, Literatur beim Verfasser

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